Der zweite Tag in der Beckschen Werkstatt beginnt für mich mit den Korrekturen an dem Aufbau meines Plakates: der Stand des Textes innerhalb der Seite, Zeilen- und Zeichenabstände müssen noch geändert werden, bevor wir die Farbe anmischen und auf die Walzen der Grafix bringen.
Jetzt, wo Farbe ins Spiel kommt, muss natürlich eine Schürze für mich her und ich habe die Ehre, Willis Schürze aus seiner Lehrzeit tragen zu dürfen. Interessant finde ich die vielen Taschen, die nicht nur für die verschiedenen Werkzeuge, wie z.B. Typomaß und Pinzette vorgesehen sind, sondern auch für den Transport von Ausschlußmaterial (ich möchte nicht wissen, wie schwer das Ganze dann geworden ist).
Aus seinem kleinen Farbenlager unter der Grafix holt Willi alle in Frage kommenden Farben hervor und er mischt mir auf einer Glasplatte ein wunderschönes Grün an. Zuvor erklärt er mir noch, warum das Klopfholz vorne angeschrägt ist: in manchen Tiegeln liegt der Satz schon fast unter den Walzen und das abgeschrägte Klopfholz ermöglicht es, bis ganz vorne zu „klopfen“. Auf der Rückseite des Klopfholzes kann ich sehen, dass über die Jahre schon sehr viele Texte damit geklopft wurden.
In einem ersten Schritt drucken wir den gesamten Text mit diesem Grün. Und wieder müssen wir noch einige Korrekturen vornehmen: einige Spationierungen stimmen noch nicht (das konnte ich bei dem Blaupausenabzug vorher nicht sehen, da dort die Farbe dicker abgedruckt war, als jetzt von der Walze). Das B des Wortes BUNT druckt noch nicht so, wie wir es wollen und muss erneut unterlegt bzw. am Ende ausgetauscht werden.
Jetzt sind wir zufrieden und der Raum des Wortes BUNT wird blank geschlagen, d.h. der Raum wird durch Blindmaterial ersetzt (es soll ja noch bunt werden). Und da ich zuvor in Konkordanzschritten gearbeitet habe, ist es nun ein Leichtes, sehr schnell passendes Blindmaterial zu finden. Nun kann es losgehen und wir drucken eine Auflage von ca. 90 Exemplaren. Dabei muss ich immer wieder den Druck kontrollieren und mit dem Referenzdruck, also dem ersten Druck, den ich für gut befunden habe, abgleichen. Außerdem kontrollieren wir, ob sich Krümel auf den Buchstaben abgesetzt haben. In diesem Zuge tauschen wir noch ein beschädigtes h aus.
Die Auflage lässt sich sehr zügig drucken, da Willi vorab das benötigte Unterlegpapier auf dem Aufzug angeklebt hat, sodaß ich immer nur noch den zu bedruckenden Bogen anlegen muss. Eine enorme Arbeitserleichterung.
Die grünen Texte sind jetzt fertig gedruckt und wir können die Druckform für den Druck des Wortes BUNT vorbereiten: die grün gedruckten Texte werden blank geschlagen und das Wort BUNT wird wieder eingebaut und jetzt wird’s bunt!
Wir experimentieren mit verschiedenen Techniken:
Zunächst wird der Text auf Makulaturpapier (sozusagen Schmierpapier) komplett in grün gedruckt. Anschließend drucke ich das Wort ohne Farbwerk auf den Abzug mit den anderen grünen Texten (Erstdruck). Der Druck erscheint nun wesentlich blasser, ca. 50 % des vollen Farbtons. Dem kann ich in einem zweiten Durchgang noch andere Farben zufügen, die ich mit einer Handwalze direkt auf die Buchstaben aufbringe.
Wir probieren aus, was passiert, wenn wir vorab die Struktur eines Blattes mit Farbe auf die Buchstaben bringen. Und dann geht es richtig los mit der Farbe und wir verbringen den Rest des Arbeitstages mit etlichen spannenden Farbgestaltungen.
Es wird sogar mit Goldstaub gearbeitet.
Am Ende hat Willi noch die Idee mit „Konfetti“ zu arbeiten. Dafür locht er aus sehr dünnem Papier Konfetti, das wir einfärben und auf die Buchstaben legen. Dann mit dem Papier darüber und schon ist unsere bunte „Blumenwiese“ fertig!
Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.
Jetzt ist erstmal putzen angesagt und morgen geht es bunt weiter.